🏠 Fallstudie: Quartier mit PV, Wärmepumpe und Wärmenetz
Ausgangslage: Ein Wohn- und Mischquartier soll energetisch neu aufgestellt werden. Die Kommune erwartet niedrige Wärmekosten, hohe CO₂-Minderung, begrenzte Stromnetzbelastung und eine technisch robuste Lösung für mehrere Gebäudetypen.
Entscheidungsfrage: Soll das Quartier über dezentrale Wärmepumpen, ein klassisches Wärmenetz, ein kaltes Nahwärmenetz, PV-Mieterstrom oder eine hybride Kombination versorgt werden?
Rolle der Studierenden
Die Studierenden handeln als Planungsteam für Kommune, Wohnungswirtschaft und Energieversorger. Sie müssen technische Plausibilität, Kosten, CO₂-Wirkung und Akzeptanz zusammenführen.
Handlungsprodukt
Ein begründeter Quartiersversorgungs-Vorschlag mit Systembild, Modellrechnung, Szenarienvergleich, Entscheidungsmatrix und klar benannten Modellgrenzen.
Kompetenzkern
Die Lernenden erkennen, dass Quartierslösungen nicht aus Einzelanlagen bestehen, sondern aus Lastprofilen, Netzen, Speichern, Regelung und Nutzerverhalten.
Leitidee der Unit
PV und Wärmepumpen senken nicht automatisch die Systemkosten. Entscheidend ist, ob Stromerzeugung, Wärmelast, Temperaturniveau, Speicher, Netzanschluss und Anschlussquote zusammenpassen. ES04 führt diese Abhängigkeiten in einem bewusst vereinfachten Simulationsmodell zusammen.
🧭 Systembild des Quartiers
Das Quartier wird als gekoppeltes Strom-Wärme-System betrachtet. Die Darstellung unterscheidet elektrische Energieflüsse, Wärmeflüsse, kalte Quellkreise und digitale Betriebsführung.
Technische Funktionskette
PV erzeugt elektrische Energie auf Dachflächen und versorgt Haushaltsstrom, Wärmepumpen, Speicher und Ladepunkte.
Wärmepumpen heben Umwelt-, Abwärme- oder Erdreichwärme auf nutzbares Temperaturniveau.
Ein Wärmenetz verteilt Wärme zentral oder ein kaltes Nahwärmenetz verteilt Quellwärme für dezentrale Wärmepumpen.
Thermische Speicher entkoppeln Wärmeerzeugung und Wärmebedarf über Stunden bis Tage.
Das Quartiers-EMS koordiniert Erzeugung, Last, Speicher und Netzanschlusspunkt.
📊 Datenbasis der Quartiersentscheidung
Eine Quartiersentscheidung benötigt technische, wirtschaftliche und soziale Daten. Durchschnittswerte reichen für eine erste Simulation, ersetzen aber keine Lastgang-, Gebäudebestands- und Netzanschlussanalyse.
Planungsgrenze: Eine hohe PV-Leistung ist nur dann systemdienlich, wenn Eigenverbrauch, Speicher, Wärmepumpenbetrieb und Netzanschluss gemeinsam betrachtet werden.
⚙️ Interaktives Simulationsmodell
Das Modell bildet ein Quartier vereinfacht über Jahreswerte ab. Es zeigt Zielkonflikte zwischen PV-Ausbau, Wärmepumpenstrom, Wärmenetzkosten, CO₂-Minderung, Investition und Netzbelastung.
Wärmepumpen-JAZ
0,0
WP-Strom: 0 GWh/a
PV-Eigenverbrauch
0 %
PV-Ertrag: 0 GWh/a
CO₂-Minderung
0 %
Emissionen: 0 t/a
Investition
0 Mio. €
Wärmekostenindikator: 0 €/MWh
Interpretation des aktuellen Modells
🔀 Szenarienvergleich
Die Szenarien setzen typische Parameterkombinationen. Danach kann im Reiter Simulation weiter variiert werden.
Szenario
Leitidee
Typische Stärke
Typisches Risiko
Bestand
Fossile oder bestehende Wärmeversorgung bleibt weitgehend unverändert.
Geringer kurzfristiger Eingriff.
CO₂- und Preisrisiken bleiben bestehen.
Dezentrale WP
Jedes Gebäude erhält eine eigene Wärmepumpe.
Modular und ohne Wärmetrasse umsetzbar.
Hohe Gleichzeitigkeit kann das Stromnetz belasten.
Klassisches Wärmenetz
Zentrale Erzeugung, mittleres bis höheres Temperaturniveau, Übergabestationen.
Gut bei hoher Wärmedichte und hoher Anschlussquote.
Trassenkosten und Netzverluste können dominieren.
Kaltes Nahwärmenetz
Niedertemperatur-Quellnetz mit dezentralen Wärmepumpen.
Niedrige Verluste, gute Einbindung von Erdreich, Abwärme und Solarthermie.
Erfordert geeignete Quellen und Gebäude-Wärmepumpen.
PV-Mieterstrom
PV wird stark ausgebaut und direkt im Quartier genutzt.
Senkt Strombezug und verbessert WP-Bilanz.
Rechts-, Abrechnungs- und Betreiberlogik müssen sauber gelöst werden.
Hybridquartier
PV, Wärmepumpen, Wärmenetz, Speicher und EMS werden gemeinsam optimiert.
Hohe CO₂-Minderung und robuste Zielbalance.
Planungs- und Koordinationsaufwand steigt.
Winter-Stressfall
Kalte Periode mit niedriger PV-Erzeugung und hoher Wärmelast.
Prüft Netzanschluss, Reserve und Speicherstrategie.
Extremfall darf nicht mit Jahresmittel verwechselt werden.
Didaktischer Kern: Quartierskonzepte werden nicht durch eine Lieblingsanlage entschieden. Entscheidend ist die Passung von Gebäudebestand, Temperaturniveau, Wärmedichte, Netzanschluss, Betreiberfähigkeit und Nutzerakzeptanz.
📈 Mehrkriterienbewertung
Eine Quartierslösung wird über mehrere Kriterien bewertet. Niedrige CO₂-Werte reichen nicht aus, wenn Netzanschluss, Tarifmodell oder Anschlussquote nicht tragfähig sind.
Kosten
Kostenbewertung wird aus Investition, Strompreis und Wärmekostenindikator abgeleitet.
CO₂
CO₂-Bewertung wird aus Strombezug, PV-Eigenverbrauch und Wärmepumpenstrom berechnet.
Netz und Betrieb
Netzbewertung wird aus Wärmepumpenlast, PV-Ausbau, Batterie und Speicher abgeleitet.
Umsetzbarkeit
Umsetzbarkeit wird aus Anschlussquote, Komplexität und Temperaturanforderung bewertet.
Bewertungsmatrix für den Quartiersbericht
Kriterium
Bewertungsfrage
Nachweis im Bericht
Gebäudeeignung
Passen Heizlast, Vorlauftemperatur und Sanierungsstand zur gewählten Lösung?
Gebäudesteckbrief, Temperaturpfad, Wärmelast.
Netzintegration
Kann das Stromnetz Wärmepumpen, PV und Ladepunkte aufnehmen?
Netzanschlusspunkt, Spitzenlast, Speicherwirkung.
Wirtschaftlichkeit
Sind Investition, Betreiberstruktur und Wärmepreis plausibel?
Wirtschaftliche Begründung: Welche Investition und welcher Wärmekostenindikator ergeben sich?
CO₂- und Netzbegründung: Welche Emissionen und Lastspitzen werden reduziert oder verlagert?
Umsetzungslogik: Welche Maßnahme kommt zuerst: Gebäudedaten, Sanierung, PV, Wärmeerzeugung, Speicher oder Netz?
Grenzen: Welche Daten müssen vor realer Planung nachgeschärft werden?
Empfohlene Grundlogik: Zuerst Gebäudedaten und Temperaturniveau sichern, dann PV- und Netzanschlusspotenzial prüfen, danach Wärmelösung und Speicher dimensionieren. Eine Quartierslösung ohne Datenmodell bleibt eine Behauptung.
🔍 Modellgrenzen und Transfer
Was das Modell leistet
Es verbindet Gebäudelast, PV, Wärmepumpe, Wärmenetz, Speicher und CO₂-Bilanz.
Es macht Zielkonflikte zwischen Investition, Temperatur, Netzlast und CO₂ sichtbar.
Es unterstützt den Vergleich von dezentralen, zentralen und hybriden Versorgungspfaden.
Es zwingt zur Entscheidung unter Annahmen statt zur isolierten Einzelrechnung.
Was das Modell nicht leistet
Es ersetzt keine hydraulische Netzberechnung.
Es bildet keine stündlichen Lastgänge und Gleichzeitigkeiten detailliert ab.
Es ersetzt keine Gebäudesimulation, Schallschutzprüfung oder Genehmigungsplanung.
Es enthält keine verbindliche Fördermittel-, Mieterstrom- oder Vertragsprüfung.
Transferfragen
Wann ist ein Wärmenetz gegenüber dezentralen Wärmepumpen technisch und wirtschaftlich plausibel?
Wie verändert ein sinkendes Temperaturniveau die Effizienz der Wärmepumpe und die Netzverluste?
Warum kann hohe PV-Leistung ohne Lastverschiebung zu begrenztem Zusatznutzen führen?
Welche Daten müssen erhoben werden, bevor eine Kommune eine reale Quartiersentscheidung trifft?